Wir alle kennen sie: Präsentationen, die uns fesseln, begeistern und lange in Erinnerung bleiben. Aber wir kennen auch das Gegenteil – endlose Vorträge, die uns entweder überfordern oder schlicht langweilen.
Als ich vor 20 Jahren meinen ersten Workshop hielt, war ich hochmotiviert, bis ins Detail vorbereitet und voller Enthusiasmus. Doch das Ergebnis war ernüchternd: Teile des Publikums wirkten abwesend, andere verloren den Faden. Meine Kernbotschaften verpufften – obwohl ich alles „richtig“ gemacht hatte.
Heute weiß ich: Eine gute Präsentation braucht mehr als Fachwissen und eine gute PowerPoint. Sie erfordert Strategie – von der Vorbereitung über die Content-Erstellung bis zur Durchführung.
In diesem Artikel teile ich mit Ihnen, warum Strategie der Schlüssel ist und welche Schritte dabei helfen, Präsentationen so zu gestalten, dass sie nicht nur gehört, sondern auch verstanden und umgesetzt werden.
1. Vorbereitung: Zielgruppe, Lernziele und fundierte Inhalte
Fragen Sie sich:
- Wer ist meine Zielgruppe? Fachpublikum, Kolleg:innen oder Teilnehmende einer Fortbildung?
- Wo halte ich die Präsentation? In einem Seminarraum, online oder vor einem großen Auditorium?
Lernziele definieren:
Lernziele bieten nicht nur eine klare Struktur, sondern helfen Ihnen auch, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, ohne sich in Details zu verlieren. Sie wirken wie ein Kompass, der Ihre Präsentation automatisch gliedert und Sie sicher ans Ziel führt (Gundermann, 2016).
Überlegen Sie sich vorab:
- Soll die Präsentation informieren?
- Möchten Sie Einstellungen und Haltungen beeinflussen (affektive Lernziele)?
- Soll die Präsentation Handlungskompetenzen fördern?
Denn: Die Art des Lernziels bestimmt maßgeblich Ihre methodische Herangehensweise. Eine reine Informationsvermittlung erfordert eine andere Methodik als das Trainieren praktischer Fähigkeiten oder das Verändern von Einstellungen.
Tipp: Formulieren Sie Ihre Lernziele so konkret wie möglich, z. B.: „Nach dieser Präsentation sind die Teilnehmenden in der Lage, [Ziel].“ Dies gibt sowohl Ihnen als auch Ihrem Publikum Orientierung und Klarheit!
Artikel zum Vertiefen auf die-bonn.de
Fundierte Inhalte finden und korrekt rezipieren:
- Greifen Sie auf wissenschaftliche Datenbanken (z. B. PubMed, Google Scholar) und Fachzeitschriften zurück.
- Prüfen und sichten Sie Literatur kritisch: Ist die Quelle seriös, aktuell und relevant?
- Zitieren Sie korrekt, um Plagiate zu vermeiden, und dokumentieren Sie Quellen sauber, um Transparenz zu schaffen.
2. Content-Erstellung: Inhalte strukturieren, Methoden und Medien wählen
Inhalte strukturieren:
- Eine fesselnde Einleitung gewinnt die Aufmerksamkeit: Erzählen Sie eine Geschichte, stellen Sie eine provokante Frage oder liefern Sie eine überraschende Statistik.
- Ein starker Schluss bleibt am besten in Erinnerung: Fassen Sie die Kernbotschaft zusammen, regen Sie zur Reflexion an oder geben Sie eine klare Handlungsaufforderung.
Lehrmethoden passend auswählen:
- Wissen vermitteln? -> Vortrag mit visueller Unterstützung.
- Handlungskompetenzen fördern? -> Fallstudien oder Rollenspiele.
- Reflexion anregen? -> Diskussion oder Gruppenarbeit.
- …
Medienwahl:
Berücksichtigen Sie bei multimedialen Präsentationen die 12 Prinzipien des multimedialen Lernens von Prof. Richard Mayer. Diese Prinzipien sind wissenschaftlich fundiert und bieten eine klare Anleitung, wie Sie Inhalte so gestalten können, dass sie das Lernen unterstützen und nicht behindern.

Zum Vertiefen: Schauen Sie dazu das Lehrvideo auf YouTube an: https://www.youtube.com/watch?v=DvWwpkbpo2w
Die Wahl der richtigen Medien spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg Ihrer Präsentation. Jedes Medium hat spezifische Stärken, die Sie gezielt einsetzen können:
- PowerPoint oder Canva für klare Visualisierungen.
- Flipchart oder Whiteboard für interaktive Elemente.
- Videos oder Simulationen für komplexe Inhalte.
- …
Präsentationsfolien gestalten:
- Nutzen Sie kognitionspsychologische Theorien, um Folien so zu gestalten, dass sie das Lernen unterstützen und nicht nur Ihnen als Sprecher:in dienen.

- Weniger ist mehr: Reduzieren Sie Text, setzen Sie auf visuelle Klarheit und nutzen Sie Bilder und Diagramme gezielt.
3. Durchführung: Inhalte klar vermitteln und das Publikum einbinden
Cognitive Load Theory anwenden:
- Präsentieren Sie nicht zu viele Informationen auf einmal. Teilen Sie Inhalte in kleine, verdauliche Einheiten (Chunking).

- Geben Sie nach jedem Input kurze Pausen für Reflexion oder Diskussion.
Teilnehmende aktiv einbeziehen:
- Stellen Sie gezielte Fragen oder nutzen Sie Mini-Übungen, um die Inhalte zu vertiefen (Retrieval Practice).
- Beispiel: Fragen Sie: „Wie würden Sie diese Lösung in Ihrem eigenen Arbeitskontext anwenden?“
Praxisnah arbeiten:
- Als Dozent:in können Sie zwei Arten von Karteikarten vorbereiten, die Ihre Teilnehmenden während der Präsentation beschreiben: »To Do« und »Merken«
- To Do: Hier schreiben die Teilnehmenden konkrete Ideen auf, wie das Gelernte direkt in ihrem eigenen Arbeitskontext angewendet werden kann.
- Merken: Diese Karten dienen dazu, dass die Teilnehmenden wichtige Inhalte notieren, die sie später vertiefen möchten.
Spannung erzeugen:
- Nutzen Sie eine 3-Sekunden-Pause vor Ihrer Kernbotschaft. Diese lenkt die Aufmerksamkeit auf Ihre Worte und verleiht Ihrer Botschaft Nachdruck.
Fazit: Substanz trifft Strategie
Gute Präsentationen bedeuten nicht, möglichst viele Informationen in kurzer Zeit zu vermitteln. Sie erfordern klare Ziele, fundierte Inhalte, eine durchdachte Struktur und die Fähigkeit, Menschen emotional zu erreichen.
Präsentieren heißt, Wissen so zu transportieren, dass es verstanden, erinnert und angewendet wird – und das gelingt nur, wenn Substanz auf Strategie trifft.
Sind Sie bereit, Ihre Präsentationen auf das nächste Level zu bringen? Lassen Sie uns sprechen!
- E-Mail: sarah.schubert@schubmanufaktur.de
- Website: schubmanufaktur.de
- Beratungsgespräch vereinbaren: https://tidycal.com/schubmanufaktur/1-2-1
Literatur
- Gundermann, A. (2016). Lernziele und Lernergebnisse. DIE Deutsches Institut für Erwachsenenbildung. https://www.die-bonn.de/wb/2016-lernziel-01.pdf).
- Green, T. (Interviewer) & Mayer, R. (Interviewee). (2014). Talking Multimedia Learning with Dr. Richard Mayer [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=Q5eY9k3v4mE
- Hippel, A. von, Kulmus, C., Stimm, M. (2019): Didaktik der Erwachsenen- und Weiterbildung, UTB, (E-Book).
- Kerres, M. (2018). Mediendidaktik. Konzeption und Entwicklung digitaler Lernangebote (5. Auflage). Walter de Gruyter GmbH.
- Mayer, R. E. (2011). On the role and design of video for learning [Video]. YouTube. https://www.youtube.com/watch?v=S3fYg6OuTIA

